Nonstop mal eben nach Venedig? Kein Ding. Ausser man tut es – mit dem Velo. Für SAO.

22.7.2019

Thomas Gschwind am Start in Zürich mit leichtem Renner, noch leichterem Gepäck und zweifelhaften Wetteraussichten.

 

Thomas Gschwind, 48, veloverrückt und im zivilen Leben Kommunikationsspezialist, schwingt sich regelmässig auf seinen Renner. Immer wieder mittwochs, zusammen mit seinen Kollegen. 2018 reift die Idee einer Nonstop-Parforce-Tour von Zürich nach Genua. Sie wird prompt umgesetzt: 19 Stunden reine Fahrzeit, 506 Kilometer, 3636 Höhenmeter, den Gotthard bei Nacht und Sternenhimmel überquert, abgesehen von ein paar platten Veloschläuchen alle Strapazen glücklich und unfallfrei bewältigt.

 

Unterwegs sammelt Thomas mit jedem Kilometer Geld für SAO, insgesamt 5000 Spendenfranken; für ihn eine Herzensangelegenheit. Und er bekommt Lust auf mehr.

 

Mehr heisst Venedig – what else.

 

Thomas und seine Kollegen, alle zwischen 45 und 55 Jahre alt (Devise «Velo statt Porsche»), in einem Sport unterwegs, bei dem es um «Biss» geht, können auf dem Velo schon auch so leicht ein bisschen kompetitiv unterwegs sein ..., wie sie sogar zugeben.

 

Am 12. Juli 2019 startet die Gruppe zur Nonstop-Tour in die Lagunenstadt. Und Thomas ist einmal mehr als Spendensammler für SAO unterwegs, hat sogar einige seiner Mitstrampler zum Spenden inspiriert, seinen Lenker (siehe Bild) mit einem SAO-Bändeli geschmückt.

 

Diesmal haben sie sich eine längere Strecke (560 Kilometer) und eine noch anspruchsvollere Route (2 Pässe) ausgesucht. Damit nicht genug – das Wetter spielt nicht mit. Beim Start in Zürich ist’s wolkig. Ab Landquart regnet es in Strömen.

 

Davon lässt man sich als zäher Velofahrer nicht aus dem Tritt bringen. Denken die Pedaleure.

 

Kopf runter. Strampeln.

 

Beim Zwischenhalt wird in die Regentenüs gewechselt. Man hat ja alles dabei. Der Nachtessenhalt in Davos muss zwingend zehn Minuten vor 22 Uhr erreicht sein. Sonst macht dort die Küche dicht, dann fehlten die Kohlenhydrate. Und hinter Davos wartet der Flüela. Mit 2400 Höhenmetern.

 

Davos wird pünktlich erreicht. Wäre ja gelacht. Eine halbe Stunde ist für die Pastaaufnahme eingeplant. Dann geht’s weiter. In dunkler Nacht, bei Wind, Dauerregen – eisiger Kälte.

 

Auf der Passhöhe, wo die Männer schlotternd zusammenstehen und auf zurückgefallene Kollegen warten, liegt noch häufchenweise Schnee. Warum genau machen sie das? Weil’s Spass macht ..., Sport ist, man das freundschaftliche Kräftemessen schätzt, die landschaftlichen Schönheiten geniessen kann ...

 

Der Flüela wird zum Lackmustest. Vor allem die Abfahrt. Im Fahrtwind fällt die Temperatur weit unter die Nullgradgrenze. Die doppelten Handschuhe reichen gerade so. Von den 18 Fahrern schenken sich drei den Rest der Reise. Man muss sich ja nichts beweisen. Den anderen droht hinter Zernez schon der Ofenpass. Die lange Nacht ist noch lange nicht vorbei.

 

Es ist kalt, kalt, kalt.

 

Regen von oben, Regen von der Seite. Dazu der Wind. Wasser ins Gesicht, Wasser bis auf die Haut. Der Wechsel vom durchnässten Regentenü in ein trockenes ist ein kleiner Glückmoment. Er hält knapp 10 Minuten an.

 

Morgens um 5 Uhr ist Glurns im Südtirol erreicht. Bei einem Unterstand schliesst das Begleitfahrzeug auf. Riegel essen, Tee trinken, Kleider auswringen. Die Gespräche waren schon angeregter. Jeder hängt seinen Gedanken nach, friert still vor sich hin. Eine Müdigkeit wie Blei.

 

Und weiter.

 

Bei Meran wird es zaghaft wärmer. Glaubt man das? Nach diesem Ausflug in den bitterkalten Winter? Kurzärmlig! Und schon bald fährt man im langgestreckten Pulk mal zu zweit, mal in kleinen Grüppchen. Man hält ein Schwätzchen hier, fährt da ein Stück allein mit sich und seinem inneren Schweinehund, schliesst auf. Der sture Blick aufs Hinterrad des Vordermanns gleitet ab, schweift jetzt über die morgendliche Ebene. Dann steht der Frühstückshalt an. Nie schmeckten Cappuccino und Brioche köstlicher.

 

Auch der Sturz von drei Fahrern trübt die Freude nicht. Venedig wird nach gut 30 Stunden erreicht. Man fällt sich in die Arme, streicht dem Stahlesel verstohlen über den Sattel. Zum Glück ist alles gut gegangen. Zum Glück haben wir’s geschafft, gezeigt, dass man mit dem Velo mal eben so von Zürich nach Venedig radeln kann. Geht doch!

 

Und das alles (nur) für SAO.Thomas Geschwind (nomen est omen) hat auf seinem Nonstop-Höllenritt von Zürich nach Venedig für SAO von verschiedenen Spenderinnen und Spendern gesammelt. Für jeden der gefahrenen 560 Kilometer 20, 40 oder gar 50 Rappen.

 

Auch jetzt, nach der Fahrt, kann seine Leistung selbstverständlich noch mit einer Spende honoriert werden. In Rappen pro Kilometer oder mit einem Betrag nach Wunsch. Direkt einzahlen auf www.sao.ngo/spenden mit dem Vermerk «Thomas / Venedig». Vielen Dank!

 

Wir von SAO geben zu, beeindruckt zu sein vom Durchhaltewillen und der Energie. Wir danken Thomas Gschwind von Herzen und sind stolz auf ihn, dass er Hilfe für Frauen auf der Flucht zu seiner Herzensangelegenheit erklärt hat.

 

Ihm und seinen Pedaleuren wünschen wir weiterhin unfallfreie, freundschaftliche Aus- und Nonstop-Fahrten.

 

Für jeden Spendenfranken, der Dank Thomas’ Venedig Stunt bis jetzt auf dem SAO-Konto eingetroffen ist: jetzt schon herzlichen Dank! 

 

 

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