SAO Podium - Begrüssungsrede

11.3.2020

 

Ich weiss gar nicht, wie ich Sie begrüssen soll – es gäbe so viel zu sagen.

Die SAO Geschäftsleitung ist gerade erst eine Woche aus Lesbos zurück, wo wir erste Auswirkungen der nun implodierenden Situation auf der Insel hautnah miterlebt haben.

In der Zwischenzeit überschlagen sich die Nachrichten aus Griechenland.

Gestern Abend brannte das Schulgebäude unserer schweizerischen Partnerorganisation «one happy family» lichterloh. Es liegt mir fern, irgendwelche Mutmassungen zur Ursache zu äussern, aber die Entwicklungen auf der Insel nehmen definitiv keine gute Wende: Hass gegen Flüchtlinge und Helfer, die bestätigte Anreise und Präsenz von ausländischen Neo-Nazis auf der Insel, Gewalt von Polizei und Küstenwache, menschenunwürdige Zustände in Moria, Attacken auf Medienschaffende und NGO-Mitarbeitende, sind neuer Alltag.

 

Auf dem SAO Podium am Internationalen Tag der Frau, 8. März 2020:

Helene Ächerli, annabelle; Muntaha Fardous, geflüchtet aus Homs, Syrien; Anja Klug, UNHCR; Walter Leimgruber, Eidgenössische Migrationskommission; Samira Marti, Nationalrätin SP; Raquel Herzog, SAO Association.

 

 

Dem Generalstreik auf Lesbos zum Trotz führten wir vor 10 Tagen unser lang geplantes Orangen-Konfi-Kochen durch.

 

Damit konnte den Bashira-Frauen ein Stück unbeschwerte Normalität geboten werden, wie dies unsere tollen Mitarbeiterinnen in Amina und Bashira tagtäglich tun.

Ein Teil der Produktion steht heute hier zum Verkauf.

 

 

 

Letzten Samstag half ich bei zwei Bootsankünften, nasse, verängstigte Menschen zu versorgen, so wie ich das 2015 und 2016 hunderte von Male getan habe. Keine 2 Stunden später wurde jegliche Hilfeleistung für Bootsankünfte staatlich verboten. Plötzlich gibt es nicht nur im öffentlichen Diskurs unterschiedliche Meinungen darüber, ob man Menschen in Lebensgefahr helfen soll, oder ob man sie lieber sterben lässt.

 

Bashira ist seit einer Woche geschlossen. Wir haben keine Garantie, dass die Frauen aus Moria sicher zu uns und zurück kommen. Ausserdem sind wir sehr besorgt um das Wohl unserer noch vor Ort verbleibenden Mitarbeiterinnen.

In dieser besonders schwierigen Situation benötigen mein Team vor Ort und ich Eure volle Unterstützung und Solidarität. Der Internationale Tag der Frau ist der richtige Anlass, um gemeinsam zusammenzustehen und für unsere Rechte und Werte einzustehen, sie in jedem Moment zu leben und zu vertreten. Genau, so wie wir das bei SAO in unserem Code of Conduct festgehalten haben!

 

Ich wünsche Ihnen eine spannende Diskussion und übergebe an Helene Ächerli.

 

 

 

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