Social distancing im überfüllten Flüchtlingslager ...?


Im Zeichen der Coronakrise herrscht Ausgangssperre im Lager Moria auf Lesbos. Lautsprecher wiederholen, wie man sich vor Corona schützen sollte ... könnte .... denn Abstandhalten, Händewaschen und «bleiben Sie zuhause» sind schwierig im chronisch überfüllten Lager. SAO ist vor Ort und unterstützt die geflüchteten Frauen mit Medikamenten, Vitaminen und Hygieneartikel. Unsere Sorge bleibt.

Statt die Lager auf den griechischen Inseln sofort zu evakuieren, setzt Athen auf noch mehr Abschottung. Man pfercht entgegen allen Erkenntnissen, wie die Verbreitung des Coronavirus verhindert oder verlangsam werden könnte, rund 21'000 Menschen zusammen ein. Social distancing unmöglich.

Die Mehrheit dieser Geflüchteten ist krank, geschwächt, lebt auf engstem Raum, unter absolut desolaten sanitären Bedingungen und ohne jegliche medizinische Unterstützung ein. Man verbietet NGOs den Zugang. Bereits ist die Skabies (Krätze) ausgebrochen.

Über Lautsprecher und soziale Medien teilt man den geflüchteten Menschen in den Lagern mit, dass sie ihre Hände waschen sollen. Die Geflüchteten haben aber weder Zugang zu genügend Wasser noch zu Seife. Ausserdem sollen sie Abstand zueinander halten. Dabei stehen 22 Betten in einem Wohncontainer. Die installierten, sanitäre Anlagen sind nach wie vor nur für max. 3000 Menschen angelegt. In den sogenannten «Wild Camps», die neben Moria entstanden sind, werden die paar wenigen aufgestellten Toiletten viel zu selten gewartet.

In der letzten Märzwoche wurde das ausgegebene Essen auf 1000kal pro Tag und Person rationiert. Ausserdem wurde – ausgerechnet! – die Wasserversorgung stark gedrosselt.

Zusätzlich wird den geflüchteten Menschen im Lager von Moria nun auch noch der Zugang zu finanziellen Mitteln verwehrt. Die griechische Regierung hat kurzfristig beschlossen, das UNO-Cash-Card Programm auszusetzen. Flüchtlinge erhalten von der europäischen Union pro Monat 90€, das ihnen auf eine Cash Card übertragen wird. Dieses Geld – dringend benötigt für Essen, Pflege etc. –konnte an jedem Geldautomaten auf der Insel abgehoben werden. Den Geflüchteten wird ihr Geld erst wieder zur Verfügung stehen, wenn die griechische Regierung in den Lagern Geldautomaten installiert hat.

Es stellt sich die Frage, ob genügend Hilfsgüter auf den geschlossenen Inseln sind, um die Menschen in den Flüchtlingslagern zu versorgen.

Was passiert, wenn im Lager die ersten Fälle von COVID 19 auftreten? Das Spital in Mytilini verfügt nicht einmal ansatzweise über die Kapazität, Coronafälle in der lokalen Bevölkerung zu meistern. Bisher scheint Lesbos jedoch verschont – ein einziger Fall einer Frau, die während einer Pilgerreise in Israel angesteckt wurde, verlief glimpflich. Die Frau konnte das Spital letzte Woche verlassen.

Bereit zur Auslieferung: SAO hilft geflüchteten Frauen im abgeriegelten Lager Moria auf Lesbos mit Hygieneartikel, Windeln und Seife.

Das tut SAO

Unsere beiden Tageszentren für geflüchtete Frauen, das Bashira Centre auf Lesbos und das Amina Centre in Athen, bleiben während des Lockdowns geschlossen. Wir arbeiten fieberhaft daran, die geflüchteten Frauen weiter zu unterstützen. Wir beliefern sie mit Medikamenten, Toilettenartikeln, Windeln, Milchpulver. Weiter unterstützen wir sie digital, indem wir mit ihnen über einen geschlossenen Kanal in sozialen Medien kommunizieren. Das ist wegen der verschiedenen Sprachen gar nicht so einfach und erfordert eine komplexe Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams. Einmal mehr zeigt sich: unsere Übersetzerinnen sind der Nabel unserer Arbeit.

In Athen ist die Arbeit ebenfalls anspruchsvoll. Die Frauen leben nicht in einem Lager, sondern in vier verschiedenen Camps, in Wohnungen in der Stadt. Leider sind auch viele der von uns betreuten, geflüchteten Frauen obdachlos.

Wir tun unser Möglichstes, um den Frauen in dieser schwierigen Situation mit Rat und Tat beizustehen und ihnen das Gefühl zu geben, das wir weiter für sie da sind.

Unsere Tageszentren sind zwar geschlossen, die Arbeit geht uns aber nicht aus, wird sogar noch anspruchsvoller, weil der Kontakt zu Frauen und die Lieferung von nötigen Medikamenten etc. schwierig ist. Ausserdem bereiten wir uns die Zeit «danach» vor. Dazu gehört auch, dass wir die nötigen finanziellen Mittel sammeln, damit wir den Vollbetrieb möglichst rasch wieder aufnehmen und mit unserem ganzen Angebot zur Verfügung stehen können.

Wir danken Ihnen sehr herzlich, wenn Sie uns in dieser Zeit nicht vergessen – und für Ihre grosszügige Unterstützung.

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