
Der Kontext, in dem wir arbeiten
Die Flüchtlingssituation in Griechenland
Abschreckung, Eindämmung und Ausgrenzung bleiben die drei Säulen der Einwanderungspolitik der EU und der Mitgliedstaaten, und die Hoffnungen auf eine würdigere Unterstützung für Menschen, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung geflohen sind, werden weiterhin durch extremistische Rhetorik und den fehlenden Konsens für ein sicheres, würdiges und faires Asylsystem zunichtegemacht.
In Griechenland kommt seit 2015 eine grosse Zahl schutz- und asylsuchender Menschen an. Laut UN-Statistiken stammen die meisten Betroffenen aus Afghanistan, Syrien und der Ukraine.
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Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtbevölkerung der EU 1,7 %.[1]
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Griechenland beherbergt derzeit über 163.000 Vertriebene. [2]
Die Politik der Grenzabschottung, der eingeschränkte Zugang zu Ressourcen und der zunehmend widerwillige Empfang in Europa haben für Geflüchtete eine Vielzahl von Problemen hervorgebracht, die von Menschenrechtsverletzungen bis hin zu praktischen Problemen wie knappen finanziellen Mitteln und unsicheren Unterkünften reichen.
Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in Griechenland Asyl beantragen, werden als schutzbedürftig anerkannt.
Rund die Hälfte von ihnen sind Frauen und Mädchen.

Das griechische Asylsystem operiert auf der Grundlage, dass die Türkei ein sicheres Land für Rückführungen ist, doch Ankara übernimmt bis jetzt diesbezüglich keine Verantwortung - somit bleiben viele Asylsuchende in einem Zustand der Vergessenheit auf den Ankunftsinseln. Darüber hinaus sind die Geflüchteten in Griechenland mit einem erdrückenden Paradoxon konfrontiert: Asylbewerber:innen sind von der Umsetzung der territorialen Einschränkungen betroffen, die die Menschen in einem Schwebezustand auf den Inseln nah der der EU-Grenzen festhalten.
Gleichzeitig werden besonders verletzliche Menschen und anerkannte Flüchtlinge aufs Festland geschickt, ohne dass ihnen Sicherheitsnetze oder konkrete Lösungen für eine langfristige Integration angeboten werden, denn staatliche Unterstützung fällt nur einen Monat nach Erhalt eines positiven Asylentscheids aus. So oder so sind die Geflüchteten in einem Teufelskreis gefangen und fühlen sich nicht nur ohnmächtig, sondern sind auch buchstäblich nicht in der Lage, für sich und ihre Angehörigen zu sorgen.
Gewalt gegen Frauen auf der Flucht
Frauen und Mädchen auf der Flucht sind einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt und von Menschenhandel ausgesetzt.
Statistiken von UN Women zeigen, dass 64 % der identifizierten Opfer von Menschenhandel Frauen und 27 % Mädchen sind.
Ausserdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie während des Menschenhandels körperlich oder sexuell missbraucht werden, dreimal so hoch wie bei Männern und Jungen. [3]
Frauen in staatlich kontrollierten Lagern in ganz Griechenland schildern unzumutbare Lebensbedingungen und nennen „die finanziellen und praktischen Hindernisse, denen sie gegenüberstehen, wenn sie die Lager verlassen und die in den Städten ansässigen Hilfsdienste erreichen wollen, sowie den Mangel an Informationen und Orientierung“ [6].
Zudem berichten 10 % der Frauen, die seit mehr als zwei Jahren in Griechenland leben, dass sie körperlich oder sexuell angegriffen wurden. [7]
Vertriebene in der EU leben in einem bedrohlichen Umfeld. Im Zeitraum 2016–2020 nahm die von Drittstaatsangehörigen empfundene Diskriminierung in der EU zu, insbesondere bei Frauen. [8] Selbst in Bezug auf grundlegende Menschenrechte wie die Gesundheitsversorgung ergab eine Studie, die die Erfahrungen von Migranten mit dem Gesundheitswesen in zehn europäischen Ländern, darunter Griechenland, untersuchte, dass „Migrantinnen mit höherer Wahrscheinlichkeit keinen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen hatten, wenn sie diese benötigten.“ [9]
Laut Statistiken des UNHCR bilden Frauen und Mädchen rund 50 Prozent aller Flüchtlinge weltweit.
Besonders gefährdet sind insbesondere unbegleitete, schwangere, als Haushaltsvorstände fungierende, behinderte oder ältere weibliche Personen.

Die Situation von geflüchteten Frauen in Griechenland
Begrenzter Zugang zu Ressourcen, strukturelle Unzulänglichkeiten, überlastete oder zusammengebrochene Sicherheitsnetze, Hindernisse bei der rechtlichen Vertretung und bei Gesundheits- und Reproduktionsdienstleistungen,… dies sind nur einige der Hürden, die geflüchtete Frauen überwinden müssen. Ihre Stimmen werden zum Schweigen gebracht und ihre Fähigkeiten werden unterschätzt. Sie sind regelmässig mit einem erhöhten Risiko von geschlechtsspezifischer Gewalt, Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit konfrontiert.
So helfen wir
SAO Association unterstützt Frauen in ihrem Streben, ihr Leben in Sicherheit und Würde in ihrer neuen Umgebung wieder aufzubauen, indem wir ihre Bedürfnisse an der Wurzel anpacken und mit ihnen zusammenarbeiten, um Traumata und hindernde Umstände und Wahrnehmungen zu überwinden.
Wir betreiben zwei Tageszentren in Athen und auf Lesbos, wo wir ein psychosoziales Unterstützungsprogramm für alleinstehende Frauen, Mütter, junge Mädchen, Witwen, beeinträchtigte und ältere Frauen durchführen. Wir helfen ihnen bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse, der Wiedererlangung ihrer Stärke und der Optimierung ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten und unterstützen sie in ihren Bemühungen, ein sicheres, unabhängiges und erfülltes Leben fernab von Elend, Leid und sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt zu führen.
Unser Vorgehen
Wir unterstützen vertriebene Frauen darin, Inklusion und Autonomie zu erlangen - ein Vorgehen, das komplexe Lösungen und ein Zusammenspiel von verschiedenen Massnahmen erfordert. Unsere Fachfrauen sind qualifiziert, diese Komplexität anzugehen, Allianzen zu schmieden und gemeinsam mit den Frauen, die sich ihnen in einer kritischen Phase ihres Lebens uns anvertraut haben, nachhaltige Möglichkeiten zu finden.
SAO Association unterstützt vertriebene Frauen, die in Griechenland leben, mit konkreten, effizienten, neutralen und ethischen Ressourcen, um eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. Wir helfen ihnen, sich zu ermächtigen, Veränderungen zu bewirken, Hindernisse zu beseitigen und sich in ihrer neuen Heimat zu integrieren.



