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SAO Podium zum «Internationalen Tag der Frau», 8.März 2020 im Millers

Aktualisiert: Aug 4

Frauen fliehen vor Kriegen, Diskriminierung, sexueller Gewalt. Auf der Flucht sind sie anderen Risiken als Männer, nicht zuletzt geschlechtsspezifischen Gefahren ausgesetzt. Übergriffe sind an der Tagesordnung. Häufig sind Frauen gezwungen, die Flucht mit ihrem Köper zu bezahlen. Selbst in Flüchtlingslagern sind sie nicht sicher. Und: Jeder zweite Flüchtling ist eine Frau – ein junges Mädchen, eine Schwangere, eine Mutter mit kleinen Kindern, eine entwurzelte Grossmutter.


SAO Association setzt sich in Griechenland für eine der schwächsten und am meisten gefährdeten Gruppen von Flüchtenden ein: Frauen.

Auf Einladung von SAO diskutierten auf dem Podium, unter der Leitung von Helene Ächerli, Gäste über die besondere Situation von Frauen auf der Flucht und über die Chancen, die eine visionäre Migrationspolitik bieten könnte.

Auf dem Podium:

Moderation: Helene Ächerli. Annabelle

Muntaha Fardous, allein geflüchtet aus Homs, Syrien

Anja Klug, UNHCR Leiterin Büro Schweiz Liechtenstein

Walter Leimgruber, Präsident Eidgenössische Migrationskommission

Samira Marti, Nationalrätin SP, Staatspolitische Kommission

Raquel Herzog, Gründerin SAO Association



Die Begrüssungsrede von Raquel Herzog, Gründerin SAO Association


«Ich weiss gar nicht, wie ich Sie begrüssen soll – es gäbe so viel zu sagen.

Die SAO Geschäftsleitung ist gerade erst eine Woche aus Lesbos zurück, wo wir erste Auswirkungen der nun implodierenden Situation auf der Insel hautnah miterlebt haben.

In der Zwischenzeit überschlagen sich die Nachrichten aus Griechenland.

Gestern Abend brannte das Schulgebäude unserer schweizerischen Partnerorganisation «one happy family» lichterloh. Es liegt mir fern, irgendwelche Mutmassungen zur Ursache zu äussern, aber die Entwicklungen auf der Insel nehmen definitiv keine gute Wende: Hass gegen Flüchtlinge und Helfer, die bestätigte Anreise und Präsenz von ausländischen Neo-Nazis auf der Insel, Gewalt von Polizei und Küstenwache, menschenunwürdige Zustände in Moria, Attacken auf Medienschaffende und NGO-Mitarbeitende, sind neuer Alltag.

Dem Generalstreik auf Lesbos zum Trotz führten wir vor 10 Tagen unser geplantes Orangen-Konfi-Kochen durch. Damit konnte den Bashira-Frauen ein Stück unbe-schwerte Normalität geboten werden, wie dies unsere tollen Mitarbeiterinnen in Amina und Bashira tagtäglich tun. Ein Teil der Produktion steht heute hier zum Verkauf.

Letzten Samstag half ich bei zwei Bootsankünften, nasse, verängstigte Menschen zu versorgen, so wie ich das 2015 und 2016 hunderte von Male getan habe. Keine 2 Stunden später wurde jegliche Hilfeleistung für Bootsankünfte staatlich verboten. Plötzlich gibt es nicht nur im öffentlichen Diskurs unterschiedliche Meinungen darüber, ob man Menschen in Lebensgefahr helfen soll, oder ob man sie lieber sterben lässt.


Bashira ist seit einer Woche geschlossen. Wir haben keine Garantie, dass die Frauen aus Moria sicher zu uns und zurück kommen. Ausserdem sind wir sehr besorgt um das Wohl unserer noch vor Ort verbleibenden Mitarbeiterinnen.

In dieser besonders schwierigen Situation benötigen mein Team vor Ort und ich Eure volle Unterstützung und Solidarität. Der Internationale Tag der Frau ist der richtige Anlass, um gemeinsam zusammenzustehen und für unsere Rechte und Werte einzustehen, sie in jedem Moment zu leben und zu vertreten. Genau, so wie wir das bei SAO in unserem Code of Conduct festgehalten haben!


Ich wünsche Ihnen eine spannende Diskussion und übergebe an Helene Ächerli.»

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