Vanessas Bericht vom Volunteer Alltag im Bashira Centre - Teil 1


Vanessa Schröter war diesen Winter sechs Monate lang als engagierte Freiwillige im Bashira Centre. Vanessa ist Schweizerin, arbeitet jedoch seit vielen Jahren in verschiedenen humanitären Projekten im Ausland. Durch eine Freundin wurde sie auf SAO aufmerksam und war sofort begeistert, das SAO-Team vor Ort in Bashira zu unterstützen.

Ihre Verbundenheit und Liebe zu den Frauen zeigt sich in den drei Blogposts, in welchen sie ihre persönlichen Erfahrungen im Frauenhaus auf Lesbos beschreibt.

Vanessa beschreibt ihre ersten Tage als Volontärin in Bashira . . .


"Freitag, der 3. Dezember. Die Digitaluhr auf meinem Handy zeigte 9.30 Uhr. Es war das erste Treffen der Bashira-Gruppe, der ich beitreten würde, und ich war nervös, aber auch sehr aufgeregt. Ich setzte mich neben die anderen Freiwilligen, die ich am Abend zuvor kennengelernt hatte, und versuchte, jede besprochene Information in mich aufzusaugen. Ich hatte keinen blassen Schimmer von dem, was hier vor sich geht. Zum Glück wandte sich unsere Betreuerin an mich und sagte, ich müsse mir keine Sorgen machen, wenn ich aus ihrem Gespräch keinen Sinn machen könne. Sie würde mich später aufklären.


Nach einer lebhaften Einführung zu SAO Association im Büro durfte ich dann einen Fuss ins Frauenzentrum setzen. Nach ein paar Treppen landete ich in einem alten griechischen Gebäude mit dem Charme eines in die Jahre gekommenen Häuschens, voller Farben, quietschender Böden und einer alten Heizung. Ich schlenderte in jeden Raum und versuchte, meinen Kolleginnen zu helfen, Utensilien, Teppiche und Kissen zu ordnen.


«Salam, chubi?, Chuba'; Willkommen, wie geht es dir?, mir geht es gut' waren die ersten Worte in Farsi, die ich hörte, als die Frauen Bashira betraten und die Gemeinschaft lebendig wurde. Lachen, Plaudern, Umarmungen und Küsse wurden ausgetauscht. Ich war verblüfft, wie sollte ich die Herzen dieser schönen Geschöpfe gewinnen und Teil dieser Gemeinschaft werden?


Ich begann mit dem Verteilen von Keksen und Früchten, um den ersten Kontakt herzustellen und Hallo zu sagen. Nun, ich kann kein Farsi oder Arabisch, und mein Französisch war schon immer furchtbar, als ich vor zehn Jahren die Schule abschloss. Ich kratzte zusammen, was davon übrig war, und bot französisch sprechenden afrikanischen Frauen einen Apfel oder eine Orange an. Sie lächelten geduldig und antworteten mit mehreren Sätzen, die sich alles andere als nach meiner sehr französischen Schullehrerin anhörten. Ich starrte völlig verwirrt zurück und zeigte auf die Früchte. So vergingen die ersten Stunden und ich erfuhr, dass; Zucker die Hauptzutat für Tee oder Kaffee in Bashira ist, etwa 4 Löffel in einem kleinen Glas. Ihre süsse Angewohnheit wurde meine erste Verbindung; wir machten Witze über den tatsächlichen Geschmack des Tees oder Kaffees und grinsten über die Zahnschmerzen, die ich simulierte.


Meine nächste Aufgabe war es, die gesamte Unterwäsche im Zentrum für die kommenden Verteilungstage an Weihnachten zu zählen.* Ich hatte sechs Kartons mit Hosen und BHs aus verschiedenen Materialien, Größen und Schnitten vor mir. Von Beldona-Dessous bis zur schlimmsten in China produzierten Unterwäsche, die man sich vorstellen kann. Man konnte die Höschen bis zum Bauchnabel hochziehen, so dass man aussah wie der billigste Baywatch-Star. Meine Aufsatzschreib- und Recherchefähigkeiten spielten heute überhaupt keine Rolle. Die Uni hatte mich nicht auf Hunderte von Höschen vorbereitet. Wie auch immer, ich fing an, die Kartons zu durchstöbern, grummelte und fragte mich, was wohl als Nächstes kommen würde? Haha."

*Wir verteilen aus Pietätsgründen gundsätzlich nur NEUE Unterwäsche an unsere Klientinnen


Wenn auch Sie sich ehrenamtlich im Bashira oder Amina Centre engagieren möchten, besuchen Sie bitte unsere Freiwilligen-Seite oder werden Sie SAO-Mitglied.

 

Vanessa describes her first days days as a Volunteer in Bashira . . .

"Friday, the 3rd December. The digital clock on my phone said 9.30. It was the first meeting of the Bashira group I would join and I was nervous but also super excited. I sat down next to the other volunteers I met the night before and tried to suck in every description and information discussed. I had no clue about what is going on. Luckily, our supervisor turned to me saying I would not have to worry if I could not make sense of their conversation. She would fill me in later.

After a lively introduction to SAO Association in the office, I was then allowed to set foot into the women center. After a few stairs I ended up in a vintage Greek house with the charm of an aging cottage, full of colors, squeaking floors, and an old heating. I wandered into each room, trying to help my colleagues to arrange utensils, carpets, and cushions.

‘Salam, chubi?, Chuba’; Welcome, how are you?, I am fine’ in Farsi were the first words I heard when women entered Bashira and the community became alive. Laughter, chatter, hugs and kisses were shared. I was baffled, how would I win those beautiful creatures’ hearts and become part of this community?

I started with handing out biscuits and fruits to make first contact and to say hello. Well, I cannot speak any Farsi or Arabic, and my French was still terrible when I graduated high school ten years ago. I scratched together what was left of it and offered French-speaking African women an apple or an orange. They smiled patiently and answered with multiple sentences that sounded anything but my very French school teacher. I starred back totally confused and pointed at the fruits. The first few hours passed by this way and I came to know that; sugar is the main ingredients for tea or coffee in Bashira, about 4 spoons in a tiny glass. Their sweet habit became my first connection; we made jokes about the actual taste of the tea or coffee and grinned about the toothache I simulated.

My next job was to count all the underwear in the center for coming distribution days on Christmas. I had six boxes of pants and bras* of different material, sizes and cuts in front of me. From Beldona lingerie to the worst Chinese underwear you can imagine. You could pull the panties up till your bellybutton so you looked like the cheapest Baywatch star. My essay writing and research skills did not matter at all today. Uni had not prepared me for hundreds of panties. Anyway, I started to rummage through the cartons, grumbling and wondering what would come next?? Haha."

*SAO only distributes new underware to our beneficiaries

If you would also like to volunteer at the Bashira or Amina Centre please visit our volunteer site or become a SAO member.